Frauen in Vorständen: In einigen Positionen noch große Lücken




Jenseits von Finanzen und Personal besteht hoher Ver?nderungsbedarf / Aufsichtsr?te gefordert

Vergangene Woche hat das Kabinett einen Gesetzesentwurf beschlossen, nach dem in Vorst?nden b?rsennotierter und parit?tisch mitbestimmter Unternehmen mit mehr als drei Mitgliedern k?nftig mindestens eine Frau sitzen muss. Der “Faktencheck Vorstandsstrukturen 2021” der Managementberatung Horv?th & Partners zeigt, welche Rollen Frauen in deutschen b?rsenorientierten Unternehmen bereits einnehmen – und wo der Ver?nderungsbedarf besonders gro? ist.

Lediglich 12 Prozent der aktuell etwa 730 Vorstandspositionen in den deutschen b?rsennotierten Unternehmen sind durch Frauen besetzt. Dem Willen der Bundesregierung nach soll sich dies in den n?chsten Jahren deutlich ?ndern. Das am vergangenen Mittwoch verabschiedete Gesetz zur Erh?hung des Frauenanteils in deutschen Vorst?nden wirkt zwar unmittelbar nur auf eine verh?ltnism??ig kleine Anzahl der gro?en Unternehmen, d?rfte aber Signalwirkung weit dar?ber hinaus haben.

Experten der Managementberatung Horv?th & Partners haben vor diesem Hintergrund im Rahmen ihres “Faktencheck Vorstandsstrukturen 2021” die aktuelle Aufstellung der Vorst?nde in den deutschen b?rsennotierten Unternehmen unter die Lupe genommen. Analysiert wurden dabei die F?hrungsetagen der Gesellschaften im DAX, MDAX, SDAX und TecDAX.

Wie die Untersuchung zeigt, w?rde eine Ausrichtung an dem verabschiedeten Gesetz eine deutliche Transformation der Vorstandsstrukturen bedeuten: In gut 60 Prozent der betroffenen Unternehmen (101 der 169 b?rsennotierten Unternehmen) ist bisher keine Frau im Vorstand.

Dr. Oliver Greiner, Partner f?r Strategie und Transformation bei Horv?th & Partners, weist darauf hin, dass sich dadurch vor allem f?r die Aufsichtsr?te Handlungsdruck ergibt. “Die Aufsichtsr?te dieser Unternehmen sind aufgerufen, L?sungen zu finden. Die Erf?llung wird in vielen F?llen nicht allein durch Nach- oder Neubesetzungen erfolgen k?nnen. Stattdessen m?ssen auch zweckm??ige Vorstandserweiterungen oder Neustrukturierungen in Betracht gezogen werden”, so der Berater.

Die besondere Herausforderung wird dabei in der Besetzung von Vorstandspositionen au?erhalb der Bereiche Finanzen und Personal liegen, wie die aktuelle Verteilung der Vorstandsaufgaben zeigt. Die meisten weiblichen Vorst?nde finden sich im Finanzressort (24 Vorst?ndinnen), dicht gefolgt vom Personalressort, wo es 22 weibliche Vorst?nde gibt. Dies sind immerhin knapp 45 Prozent aller Personalvorst?nde. Allerdings haben aktuell nur 49 Unternehmen einen dezidierten Personalvorstand.

In anderen Funktionen lassen sich Frauen deutlich seltener finden. F?r den operativen Betrieb gibt es 6 designierte Vorst?ndinnen, aber 57 m?nnliche Vorst?nde. Gerade einmal 3 Frauen leiten als Vorstand Technologie- oder Entwicklungsbereiche (im Gegensatz zu 35 M?nnern). Selbst als Vertriebs-/Marketingvorst?nde ist die Anzahl der Frauen verschwindend gering: 2 im Gegensatz zu 32 m?nnlichen Vorst?nden.

Besonders selten haben Frauen derzeit Funktionen mit direkter Gesch?ftsverantwortung inne. Lediglich 6 Frauen leiten Vorst?nde in den gro?en b?rsennotierten Unternehmen als Vorstandsvorsitzende. Als Bereichsvorst?nde mit direkter Verantwortung f?r Gesch?ftseinheiten lassen sich aktuell ebenfalls nur 6 Frauen finden – im Gegensatz zu 117 m?nnlichen Kollegen.

Oliver Greiner ist ?berzeugt, dass das neue Gesetz nicht nur zu einer Transformation der Vorst?nde in gro?en b?rsennotierten Unternehmen f?hren wird, sondern auch als Katalysator f?r die Erh?hung des Frauenanteils ?ber alle F?hrungsebenen hinweg dient. Er pl?diert daf?r, dies aktiv zu f?rdern. “Nat?rlich muss es bei der Besetzung von F?hrungspositionen immer um die beste fachliche Eignung gehen, doch f?r die kommende Zeit sollte die Maxime gelten: im Zweifelsfalle f?r die Frau.”

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